|

|
|
|
TANNENZAPFEN 2007
(einen hab ich noch ;-)
Es war ein rauer
Winterabend, als Rainer langsam durch den Wald Richtung seines Zuhauses ging.
Er hatte einen langen Arbeitstag hinter sich und wenn dieser doofe Reifen nicht
noch seine Luft verloren hätte, dann wäre er schon längst zu
Hause vor seinem Kamin und könnte sich endlich wieder aufwärmen. Aber
nein, er musste ja unbedingt diese Abkürzung durch den Wald nehmen. Warum
nur war er nicht der Strasse gefolgt. Dies fragte sich Rainer schon die ganze
Zeit. Wenigsten war der Wind hier im Wald nicht so stark. Es war auch so schon
kalt genug. In der Ferne konnte er schon die ersten Lichter des Dorfes sehen.
Bald hatte er es endlich geschafft. Er musste nur noch an der großen
Tanne dort vorne vorbei und dann ... Die junge Frau, die auf der Tanne oben
zwischen den Zweigen saß, sah Rainer gar nicht, wie sollte er auch. Er
war ja schon damit beschäftigt, seinen Mantel zu zuheben und mit der
anderen Hand das Rad vor sich her zu schieben. Hätte er nur einmal kurz
nach oben gesehen, hätte er dem Tannenzapfen, welche die Frau
lächelnd fallen ließ, aus dem Weg gehen können. Aber so traf er
sein Ziel genau. Selbst den golden glitzernden Schweif, welche er hinter sich
herzog, hatte Rainer nicht bemerkt. Genau gezielt traf er auf den Kopf von
Rainer. Ein kurzer Schmerzschrei, die Hand in die Höhe gerissen und schon
war auch das Rad umgefallen. "Na heute meinen es aber alle gut mit mir, jetzt
werfen die Tiere schon mit ... was war das denn eigentlich?" brummelte Rainer
vor sich hin und schaute an der großen Eiche empor. Zu spät, die
junge Frau war bereits wieder verschwunden. Gerade als er seinen Weg wieder
aufnehmen wollte, entdecke er einen Tannenzapfen vor sich auf dem Boden liegen.
Hatte der eben geglitzert? Er hätte schwören können, das dieses
Ding geglitzert hatte. Schnell bückte er sich und hob den Zapfen auf.
"Sind zwar keine 3 Haselnüsse, aber den bring ich meiner kleinen
Cinderella mit" sagte Rainer und schwups verschwand der Zapfen in seiner
Tasche.
Zu
Hause
Kaum hatte Rainer die Tür
zu seinem kleinen Häuschen geöffnet, da kam auch schon die kleine
Jenna angerannt. "Papa, Papa, endlich bist du da, liest du mir heute ´ne
Geschichte vor?" bettelte sie. "Darf ich zuerst mal rein kommen? Oder soll ich
hier im Türrahmen schon anfangen dir vorzulesen?" fragte Raine und nahm
die Kleine kurzer Hand auf den Arm. "Was ist das denn eigentlich für ne
Begrüßung? Wo ich mich doch todesmutig unter diesen Zapfen geworfen
haben" sagte Rainer und zog lächelnd den kleinen Zapfen aus der Tasche.
"Oh der ist aber schön Papa, ist der für mich?" fragte Jenna und
griff mit ihren kleinen Händchen sofort danach. "Der glitzert aber
schön." Rainer wusste nicht recht, was er darauf sagen sollte und
lächelte Jenna nur zu, welche erst gar nicht auf eine Antwort gewartet
hatte, sondern sofort durch die Wohnung rannte um ihrer Mutter das tolle
Geschenk zu zeigen. "Schau nur Mama, wie der glitzert, als wenn er aus Gold
gemacht wäre." "Jenna, das ist der Schnee, der glitzert und pass bitte auf
das du mir hier nicht rum tropfst, ich habe eben erst gewischt." sagte diese
und kümmerte sich wieder ums Abendbrot. Jenna hingegen war
überglücklich über den Zapfen und sprang damit aufs Sofa. Rainer
war zwischenzeitlich in die Küche zu seiner Frau gegangen. "Er soll nun
doch noch im Krankenhaus bleiben. Ich habe heute mit Doktor Mendes gesprochen.
Bis jetzt ist noch keine Besserung in Sicht. Ich glaube die wissen selbst
nicht, was er hat" sagte Rainer und nahm dabei seine Frau in den Arm. "Es ist
doch bald Weihnachten. Wie sollen wir nur ein Fest feiern, wenn Michel nicht
mit dabei ist?" fragte diese ihn und wischte sich mit dem Handrücken die
Tränen von der Wange. "Wenn er sich doch nur bemerkbar machen könnte.
Wenn er so starr im Bettchen liegt und ..." Tränen liefen ihr wieder die
Wangen herunter. "und die leeren Augen, als wenn er keine..." Rainer
drückte seine Frau fest an sich. ""Ich versteh nur einfach nicht, das
diese Götter in Weiß nichts finden. Können wir ihn nicht
wenigsten an Heiligabend nach Hause holen?" fragte sie. "Doktor Mendes ist
nicht dafür, aber er meinte dass er es uns nicht verbieten kann." sagte
Rainer. "meinst du wirklich, das wir das unserer kleinen Jenna zumuten
können? Du weist doch wie sehr sie ihren Bruder liebt. Ich weiß
nicht, wie sie darauf reagiert, wenn wir ihn an Heiligabend wieder ins
Krankenhaus zurück bringen müssen. Noch mal so `ne Heulorgie mit euch
beiden halte selbst ich nicht durch." Rainer versuchte zu lächeln, was
aber leider misslang. Auch er wollte seinen kleinen Sohn bei sich haben, aber
er wusste genau, dass es seiner Frau das Herz zerreisen würden, wenn sie
Michel wieder in die Klink bringen mussten. Aber er konnte einfach nicht anders
"Wir holen ihn morgen zu uns. Wir sind eine Familie und sollten am Heiligabend
auch zusammen sein." sagte er. Ina lächelte. "Du musst noch den Baum
schmücken. Jenna wartet schon den ganzen Tag darauf."
Michel
"Wo ist denn der Papa" fragte die kleine Jenna nun schon zum
wiederholten male. "Kommt der Papa jetzt bald?" "Jenna, selbst wenn du noch 5
mal fragst, kommt der Papa dadurch auch nicht schneller nach Hause. Ich habe
dir doch gesagt, dass er Michel vom Krankenhaus abholt" sagte Ina und
streichelte der kleinen liebevoll übers Haar. "Komm wir stellen Michels
Bettchen näher an den Baum, damit er die Lichter auch richtig sehen kann"
sagte die Mutter und schob mit Hilfe von Jenna das kleine Bettchen näher
an den golden geschmückten Tannenbaum. "Bleibt Michel nun für immer
bei uns?" fragte Jenna. Bevor Ina jedoch eine Antwort geben konnte, hörten
sie Schritte vorm Haus. Jenna wirbelte auf der Stelle herum und rannte in
Richtung Tür. "Mama, Papa und Michel sind endlich da." schrie die Kleine
durch den Flur. So konnte sie auch nicht sehen, wie ihre Mutter sich schnell
die Tränen aus dem Auge wischte und sich ebenso in Richtung der
Wohnungstür auf machte.
Heilig
Abend
Der Baum war fertig
geschmückt. Michel lag in seinem Bettchen daneben und Rainer und Ina
standen davor als plötzlich ein Windstoß das Fenster aufriss und ein
eisiger Wind durchs Zimmer blies und dadurch sämtliche Glöckchen am
Baum läuteten. Schnell hatte Rainer das Fenster wieder geschlossen, als
sein Blick auf einen kleinen Zettel am Tannenbaum fiel. "Hast du hier ein
Briefchen rein gesteckt?" fragte er seine Tochter. "Nö" war die Antwort
von Jenna, welche im Schneidersitz vor dem Bettchen von Michel saß und
mit ihrem Tannenzapfen spielte. Rainer schaute seine Frau fragend an, welche
nur mit den Schultern zuckte und langsam auf ihren Mann zuging. Rainer nahm den
Zettel in die Hand und öffnete ihn. "Komisch, von wem ist der nur?" fragte
er. "Was steht denn darauf?" wollte Ina wissen.
Ein Wunsch gesprochen, ins helle
Licht,
dazu ne
Schup vom Zapfen bricht,
geht in Erfüllung - doch gibt's Bedenken,
nicht jeden Wunsch der
Herr kann lenken.
Doch aus dem Herzen - Kinderrein,
sollt die Erfüllung
machbar sein.

Der
Zapfen hat, in seinem Kleide
auch goldne Schuppen, Seit an Seite,
Nur diese sind der
Wünsch wert,
drum prüfe ob er wird gewährt.

Eines noch oh Holde, sei
gesagt
Nur's Kind
die Schuppe sehen mag.
Denn nur das Kinderherzen rein,
kann's Schimmern sehen
goldig fein.
Rainer schaute
seine Frau völlig irritiert an. "Wo kommt der denn her?" Jenna, welche die
ganze Zeit mit dem Zapfen gespielt hatte, traute ihren Augen nicht. Der Zapfen
in ihrer Hand begann immer mehr und mehr zu leuchten. Gerade als sie ihrem
Vater von diesem Leuchten berichten wollte, entdeckte sie die Frauengestalt,
welche vor dem Fenster stand, ihr zuwinkte und dabei liebevoll lächelte.
Auch von dieser Frau ging ein Leuchten aus. Jenna stand auf und wollte gerade
zum Fenster laufen, als ihr Blick in das Bettchen auf Michel fiel. Leere Augen
starrten sie an. Nun begann der Zapfen schon richtig zu pulsieren. "Ein Wunsch
gesprochen ins helle Licht" Gerade als Jenna eine einzelne Schuppe aus dem
Zapfen brach, flog das Fenster erneut auf, die Lichter am Tannebaum gingen an
und man konnte im ganzen Ort die Glocken läuten hören. Jenna war die
Einzige, welche sehen konnte, wie die starren und trüben Augen ihres
Bruders mit einem goldenen Leuchten erfüllt wurden. Ein Strahlen ging nun
von ihnen aus, welches selbst Ina´s und Rainer´s Unterhaltung
verstummen lies. Als sich beide dem Bettchen näherten konnten sie ihre
Tränen nicht mehr zurück halten. Michel lag mit einem Lächeln
darin und hatte sein Händchen nach seiner großen Schwester und dem
golden glitzernden Zapfen ausgestreckt. Rainer schaute auf den Tannenzapfen in
Jennas Hand und hätte nun schon zum zweiten Mal schwören können,
das von ihm ein Glitzern ausging. "Na klar, der Zettel" ging es ihm sofort
durch den Kopf, doch dieser war verschwunden.
Frohe und gesegnete Weihnachten

Weihnachtsgeschichte, Dez. 2007
- von Volker Rothaug (c), einem Freund unseres Webmasters
|
| |
|
|
|
©
2002, TVqueer.de
|
|
|