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Das Weihnachtsfest
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Zuerst lesen: Engelchen Annalena (
Reg.02)
Gevatter Nacht hatte sein Gewand
bereits über die Welt geworfen und somit Schwester Sonne für den Rest
des Tages bereits verdrängt, als Fredy durch das kleine Gattertor trat.
Mit wenigen Schritten hatte er die Tür erreicht und war somit zu Hause
angekommen. Schnell zog er noch die Stiefel aus, damit er seiner Frau nicht
soviel Schmutz in der Hütte brachte. Mit zwei kurzen Schritten hatte er
den kleinen Gang durchquert und war im so genannten Wohnzimmer angelangt.
"Oh Schatz, du hast ja doch noch
einen Baum bekommen. Ich dachte schon, wir hätten dieses Jahr kein
Glück mehr. Sieh nur, ich bin mit der Puppe für unsere kleine Anna
schon fast fertig." sagte seine Frau und hielt dabei eine aus Stoffresten
gefertigte Puppenhülle hoch. "Nun muss ich sie nur noch füllen, dann
können wir auch das Auto für Marijetto anmalen." Fredy
lächelte gezwungen, wie gerne hätte er seinen Kindern die
gewünschten Spielsachen in einem Geschäft gekauft, aber wie immer
hatten sie nicht genug Geld. Das wenige, was sie noch übrig hatten, war
nun auch noch für den überteuerten Weihnachtsbaum, der mehr schlecht
als recht aussah, drauf gegangen. Es würde wieder ein ziemlich karges
Weihnachtsfest geben.
"Sollen wir gleich
anfangen den Baum zu schmücken? Oder willst du erst noch essen, Schatz?"
Jennifer war aufgestanden und hatte die Stoffhülle hinter sich auf den
alten Sessel gelegt. Langsam ging sie auf ihren Mann zu, umarmte ihn und
küsste ihn auf die Wangen. "Schatz ... ich kann doch wieder als
Näherin arbeiten. Wir werden es schon schaffen. Wir haben es doch immer
geschafft, oder?" Fredy drückte seine Frau mit dem freien Arm fest an
sich. "Natürlich werden wir es wieder schaffen und nein, ich
möchte nicht, dass du wieder damit anfängst. Du weißt, was ich
von denen halte. Die wissen ganz genau, dass wir das Geld brauchen und deshalb
.... Komm, wir schmücken den Baum."
Während Fredy den Baum in die Halterung beförderte
und zwanghaft versuchte, die beste Seite des Baumes zu finden, war Jennifer
damit beschäftigt, die wenigen Utensilien aus dem Schrank zu holen, welche
den Baum schmücken sollten. So wurden die selbst gemachten Strohsterne und
die kleinen Holzmänner an die Zweige gehängt. Auch die in
mühevoller Arbeit gebastelte Kette aus einzelnen goldenen Kreisen, welche
in sich selbst verketten waren, wurden um den Baum herum gehängt. Das
Lametta, welches Jahr für Jahr weniger wurde, bekam auch seinen Platz auf
dem Baum. Liebevoll wurde es in einzelnen Streifen über die kargen
Äste gelegt. "Jetzt fehlt nur noch eins" sagte Fredy und öffnete
die Schranktür. Er holte ein kleines Kästchen heraus und drückte
es ganz vorsichtig an sich. Sein Blick verfinsterte sich ein wenig und ein
trauriger Gesichtsausdruck machte sich breit. Langsam drehte er sich um und
schritt auf den Baum zu. Er öffnete den Deckel und holte einen
Tannenzapfen heraus. "Schatz, willst du ihn wirklich aufhängen?"
fragte Jennifer. "Ja, dann weiß ich, dass Annalena bei uns ist. Sie
hat ihn damals für mich zurück gelassen. Es wäre kein richtiges
Weihnachten ohne ihn." Fredy streckte sich und hängte den Tannenzapfen
an den obersten Zweig des Baumes. "Oh, Jennifer, wenn ich doch nur einmal
Glück hätte, dann würde ich euch einen richtigen Baum
aufstellen. Einen der funkelt und glitzert. Einen mit ganz viel Lametta. Einen
mit einer Lichterkette, die wir im Laden gesehen haben. Einen, mit
Lebkuchenmännern und Zuckerstangen und mit richtigen Geschenken für
die Kinder. Ich wünschte ich könnte euch einmal so einen Baum
kaufen." Jennifer trat zu ihrem Mann und umarmte ihn. "Schatz, das hast du
doch gemacht. Du hast uns einen Baum gekauft, den Schönsten, den wir bis
jetzt hatten. Sieh ihn dir doch nur einmal an." Fredy entfernte sich einige
Schritte vom Baum und warf einen prüfenden Blick auf ihn. "Machen wir uns
nichts vor Schatz, aber berauschend sieht er nun wirklich nicht aus. Komm, lass
uns die Geschenke fertig machen sonst ist es Weihnachten und die Kinder haben
nichts unter dem Baum" So gingen Jennifer und Fredy aus dem Wohnzimmer in die
Küche und setzten sich an den kleinen Tisch, auf dem bereits ein zusammen
gezimmertes Auto und ein Farbtopf standen.
Niemand beachtete den Baum weiterhin. So konnte auch niemand
sehen, dass der Tannenzapfen anfing pulsierend zu leuchten. "Darf ich
jetzt?" "Jetzt darfst du Engelchen, aber du weisst, nur die Wünsche,
die er selbst genannt hat." "Darf ich nicht .... sie haben doch nicht viel
... Herr, bitte, darf ich vielleicht...?" "Nur die Wünsche Engelchen,
nur die Wünsche"
Fredy hatte den
Farbtopf bereits geöffnet und war gerade dabei das Auto komplett in rot
anzustreichen, während Jennifer die Stoffhülle mit Watte und kleinen
Stoffresten füllte. "Wenn die Farbe getrocknet ist, muss ich nur noch
die Leiter schwarz anmalen, dann ist es fertig" sagte Fredy und legte den
Pinsel beiseite. "Hast du an die Knöpfe gedacht Schatz? Sonst
erhält unsere kleine Puppe ja gar keine Augen." Jennifer war aufgestanden,
um sich Nadel und Faden zu holen, als Fredy 2 schwarze Knöpfe aus seiner
Hosentasche holte und sie seiner Frau auf den Tisch legte. "Die habe ich
noch nicht einmal zahlen müssen. Frau Krosch hat sie mir geschenkt, weil
ich ihr mit dem schweren Kleiderschrank geholfen habe. Dafür habe ich das
hier gekauft." Dabei legte er ein kleines Knäul Wolle auf den Tisch.
"Dachte mir, du kannst es vielleicht für die Haare gebrauchen." "Oh
Liebling, die werde ich gleich annähen. So sieht sie bestimmt noch besser
aus."
Wie auf magische Weise löste
sich der Tannenzapfen vom obersten Zweig und schwebte herunter. Zwei kleine
Mädchenhände ergriffen ihn und brachen einige Schuppen aus ihm
heraus. Kaum waren sie ausgebrochen, als der Zapfen wieder auf seinen
ursprünglichen Platz flog. Eine Schuppe wurde auf einen Zweig des Baumes
gelegt und je eines auf die Geschenke unter dem Baum.
Als die Familie am nächsten Morgen erwachten war die
Welt in ein weißes Gewand gehüllt und ein kalter Wind blies ihn in
alle Richtungen über die Straße. So konnte man auch bald die kleinen
Fußspuren, die von der Straße zum Haus führten, nicht mehr
sehen. Der Wind hatte den feinen Schnee und somit die Spur einfach davon
geweht. Anna und Marijetto waren, wie sollte es auch anders sein, die ersten,
die in die Stube stürmen wollten. Doch vor der Tür blieben sie wie
versteinert stehen. Alles glitzerte und funkelten. Im Wohnzimmer stand der
schönste und prachtvollste Baum, den sie je gesehen hatten. Eine
große Tanne, geschmückt mit goldenen Girlanden, mit Zuckerstangen
und Lebkuchenmänner. Über und über mit Lametta behängt. Mit
einer funkelnden Lichterkette und an der Spitze mit einem goldenen Stern. Fredy
und Jennifer waren ihren Kinder dicht gefolgt und selbst sie konnten einen
erstaunten Aufschrei nicht unterdrücken. Unter dem Baum, unter dem am
Vorabend noch das selbst gebaute Auto und die Puppe fein säuberlich in
Stoff eingeschlagen gelegen hatten, standen nun ein großes rotes
Feuerwehrauto mit Drehleiter und eine dieser neuen Sissi-Jane-Puppen.
Tränen liefen Jennifer die Wangen herunter. Wie schön doch alles war.
Aber wer sollte dies denn alles getan
haben und warum hatten sie nichts gemerkt. Fredy schritt langsam an den Baum
und griff nach dem Tannenzapfen. "Annalena, bist du hier?" "Herr, darf
ich?" "Nein, Engelchen, es ist doch schon schwer genug für ihn"
"Aber, er ruft mich doch." "Nein, Engelchen. Komm, es ist Zeit zum gehen.
Du weisst, wir haben noch viel zu tun." "Ja, Herr."
"Annalena. Ich weiss, dass du es bist. Oh, Annalena ...
bitte, ich brauche dich doch." Das einzige, was Fredy hörte und sah, war
das sich entfernende Lachen eines Mädchens und ein hell leuchtender
Tannenzapfen in seiner Hand.
Frohe
Weihnachten und dass auch eure Wünsche in Erfüllung gehen.

(Weihnachtsgeschichte, Dez.
2004 - von Volker Rothaug, einem Freund unseres Webmasters)
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